simplewall Test: Die beste kostenlose Firewall Alternative?
simplewall im ultimativen Test: Maximale Kontrolle über deinen Windows-Netzwerkverkehr
Wer Windows nutzt, kennt das Problem: Die integrierte Windows-Firewall ist zwar technisch solide, aber ihre Benutzeroberfläche ist eine Katastrophe. Versteckte Menüs, unklare Regeln und das Gefühl, dass Microsoft trotzdem „nach Hause telefoniert“, plagen viele Nutzer. Hier kommt simplewall ins Spiel.
In diesem ausführlichen Testbericht nehmen wir das kleine, kostenlose Open-Source-Tool genau unter die Lupe. Wir klären, ob simplewall wirklich hält, was es verspricht, wie es sich im Alltag schlägt und warum es vielleicht die wichtigste Software ist, die auf deinem PC noch fehlt.
Was ist simplewall eigentlich?
Bevor wir in die Installation einsteigen, müssen wir ein technisches Missverständnis klären. Der Entwickler Henry++ beschreibt sein Tool sehr ehrlich: simplewall ist keine eigenständige Firewall im klassischen Sinne, die den Netzwerkverkehr auf Treiber-Ebene selbst filtert.
Stattdessen ist es ein WFP-Tool (Windows Filtering Platform).
Die Windows Filtering Platform ist eine API (Schnittstelle), die Microsoft in Windows integriert hat. simplewall nutzt diese Schnittstelle, um den Netzwerkverkehr zu steuern. Man kann es sich als eine extrem leistungsfähige Fernbedienung für den Motor vorstellen, der bereits in Windows eingebaut ist. Das hat einen riesigen Vorteil: Es werden keine schweren, systembremsenden Treiber von Drittanbietern installiert, die oft Bluescreens verursachen. simplewall ist leicht, schnell und greift direkt auf die Windows-Architektur zu – aber mit DEINEN Regeln.

(simplewall Open Source Projektseite auf GitHub)
Installation und erster Eindruck: Portabel vs. Setup
Einer der größten Pluspunkte von simplewall ist die Flexibilität bei der Inbetriebnahme. Nach dem Download der kleinen Datei (meist unter 1 MB!) hast du die Wahl.
Der Portable Mode
Du kannst die .exe einfach starten, ohne sie zu installieren. Das ist ideal für USB-Sticks oder für Nutzer, die ihr System sauber halten wollen. Allerdings: Damit die Firewall beim Systemstart automatisch lädt, empfiehlt sich die Installation.
Die Installation
Der Installationsprozess ist in Sekunden erledigt. Es gibt keine Adware, keine versteckten Toolbars – ein Segen in der heutigen Freeware-Landschaft.
Nach dem ersten Start präsentiert sich simplewall extrem aufgeräumt. Keine bunten Grafiken, keine animierten Dashboards, sondern eine nüchterne Liste von Anwendungen. Für Puristen ist das ein Traum, für Anfänger vielleicht im ersten Moment etwas trocken. Aber keine Sorge, die Logik erschließt sich sofort.

(simplewall Hauptmenü Benutzeroberfläche beim ersten Start)
Das Funktionsprinzip: Whitelist vs. Blacklist
Hier unterscheidet sich simplewall massiv von der klassischen Windows-Firewall-Logik. Um das Programm effektiv zu nutzen, musst du dich für einen Modus entscheiden.
1. Whitelist (Empfohlen)
Dies ist der Standard und die sicherste Methode. „Alles ist verboten, was nicht explizit erlaubt ist.“
Wenn du simplewall aktivierst, wird erst einmal jeder Internetzugriff blockiert. Startest du nun deinen Browser (z.B. Chrome), poppt eine Meldung auf. Du erlaubst Chrome. Ab jetzt darf Chrome ins Netz. Alles andere bleibt stumm. Das garantiert, dass keine Malware oder Spyware im Hintergrund Daten sendet, ohne dass du es merkst.
2. Blacklist
Hier ist alles erlaubt, außer dem, was du explizit verbietest. Das ist bequemer, aber weniger sicher. Wir empfehlen für diesen Test und für die tägliche Nutzung ganz klar den Whitelist-Modus.
Die Benutzeroberfläche und Bedienung im Detail
Im Testzeitraum von vier Wochen lief simplewall auf einem Windows 11 System. Die Bedienung konzentriert sich auf das Kontextmenü und die Checkboxen.
Jede Anwendung, die versucht, eine Verbindung aufzubauen, erscheint in der Liste. Links neben dem Namen ist eine Checkbox.
-
Haken gesetzt: Internetzugriff erlaubt.
-
Haken leer: Internetzugriff blockiert.
So einfach kann es sein. Doch unter der Haube steckt mehr.
Das Benachrichtigungs-System
Das Herzstück der User Experience sind die Benachrichtigungen. Wenn ein noch unbekanntes Programm ins Internet will, erscheint ein kleines Fenster das Sie auffordert den Zugang zum Internet zu erlauben oder zu sperren.
Dieses Pop-up ist genial gelöst. Es bietet nicht nur Ja/Nein, sondern auch einen Timer. Reagierst du nicht, wird temporär blockiert. Ein Klick auf den Dateinamen öffnet den Pfad – sehr nützlich, um zu prüfen, ob es sich wirklich um svchost.exe von Windows oder eine getarnte Malware handelt.
Was im Test positiv auffiel: Die Benachrichtigungen nerven anfangs, aber das „Lernverhalten“ ist schnell. Nach etwa zwei Tagen Nutzung hat man 95% seiner Standard-Programme abgenickt und simplewall verhält sich fast unsichtbar.
Datenschutz und Telemetrie: Der Blocklisten-Manager
Jetzt kommen wir zum „Killer-Feature“, das simplewall von vielen Konkurrenten abhebt: Die integrierten Blocklisten gegen Microsoft-Spionage.
Windows 10 und 11 sind bekannt dafür, massiv Daten an Microsoft zu senden (Telemetrie). simplewall bietet im Menüpunkt „Blocklisten“ (oder „Enable filters“) vorgefertigte Listen an.
Diese basieren oft auf bekannten Community-Listen (ähnlich wie Pi-hole Listen). Du kannst folgende Kategorien aktivieren:
-
Microsoft Telemetrie: Blockiert Server, die Nutzerdaten sammeln.
-
Windows Update: Kann blockiert werden (Vorsicht: Sicherheitsrisiko, wenn man nicht manuell updated!).
-
Apps Werbung: Blockiert Server, die Werbung in Windows-Apps ausspielen.
Im Test haben wir die Telemetrie-Filter aktiviert und den Datenverkehr mit Wireshark parallel beobachtet. Das Ergebnis war beeindruckend: Das ständige „Hintergrundrauschen“ von Windows an Microsoft-Server wurde drastisch reduziert. Für Datenschutz-Enthusiasten ist das Gold wert.

(simplewall Blocklisten Konfiguration gegen Telemetrie)
Tiefer eintauchen: Der Regel-Editor
Für den Power-User bietet simplewall einen mächtigen Regel-Editor. Ein Rechtsklick auf eine Anwendung und „Regel erstellen“ öffnet ein Fenster, das an professionelle Firewalls erinnert.
Hier kannst du definieren:
-
Richtung: Eingehend (Inbound) oder Ausgehend (Outbound).
-
Protokoll: TCP, UDP, ICMP etc.
-
Ports: Darf das Programm nur auf Port 80/443 (Web) funken oder auch auf anderen?
-
Ziel-IP: Erlaube den Zugriff nur auf eine spezifische IP-Adresse.
Ein Praxis-Beispiel aus dem Test:
Wir wollten einem alten Spiel den LAN-Zugriff erlauben, aber den Internetzugriff verbieten. In der Windows-Firewall ist das ein Klick-Marathon. In simplewall erstellten wir eine Regel: „Allow“, Ziel: „Local Network“. Fertig. Das Spiel konnte im LAN gefunden werden, konnte aber keine Daten an den Hersteller senden.
Performance: Ein Leichtgewicht
Viele Security-Suites (Norton, McAfee, etc.) sind Ressourcenfresser. Sie verlangsamen den Systemstart und belegen hunderte Megabyte RAM.
Wie schlägt sich simplewall?
-
RAM-Verbrauch: Im Leerlauf lag simplewall bei unsichtbaren 10-15 MB RAM. Auch unter Last stieg dieser Wert kaum.
-
CPU-Last: Nicht messbar. Da simplewall nur die Windows Filtering Platform konfiguriert und das eigentliche Filtern dem Windows-Kernel überlässt, gibt es quasi keinen Overhead.
Das macht das Tool ideal für ältere Laptops oder Gaming-PCs, wo jedes Prozent Leistung zählt.
simplewall vs. GlassWire vs. TinyWall
Um den Wert von simplewall einzuordnen, lohnt ein kurzer Vergleich:
| Feature | simplewall | GlassWire | TinyWall |
| Preis | Kostenlos (Open Source) | Freemium (Teuer für Vollversion) | Kostenlos |
| Open Source | Ja | Nein | Nein |
| GUI/Optik | Minimalistisch / Liste | Wunderschön / Grafisch | Minimalistisch |
| Netzwerk-Monitor | Rudimentär | Exzellent (Verlaufsgraphen) | Nicht vorhanden |
| Bedienung | Mittel (erfordert Verständnis) | Einfach | Einfach |
| Telemetrie-Blocker | Integriert | Nein | Teilweise |
Fazit des Vergleichs: Wer schöne Grafiken und eine Historie des Datenverbrauchs will, greift zu GlassWire. Wer maximale Kontrolle, Open Source und Datenschutz will, greift zu simplewall.
Die Schattenseiten: Wo simplewall schwächelt
Kein Testbericht wäre ehrlich ohne Kritik. Auch simplewall ist nicht perfekt.
-
Keine Benutzer-Unterscheidung: Die Regeln gelten meist systemweit. In einer Multi-User-Umgebung (z.B. Familien-PC mit verschiedenen Konten) kann es schwierig sein, Regeln nur für einen Benutzer zu definieren.
-
Lernkurve: Wer nicht weiß, was eine IP-Adresse oder ein Port ist, könnte sich vom Regel-Editor erschlagen fühlen. Der Whitelist-Modus kann frustrieren, wenn man vergisst, eine neue App freizugeben und sich wundert, warum diese nicht funktioniert.
-
Windows Updates: Es kam im Test einmal vor, dass ein großes Windows Update die WFP-Filter zurückgesetzt oder gestört hat. Ein Neustart von simplewall behob das Problem, aber man muss wachsam bleiben.
Einrichten von simplewall: Eine Schritt-für-Schritt Best Practice
Damit du den Start nicht verhaust, hier unsere empfohlene Vorgehensweise nach der Installation:
-
Starten: Öffne simplewall.
-
Modus wählen: Klicke nicht sofort auf „Filter aktivieren“. Gehe erst die Liste der bereits laufenden Anwendungen durch.
-
System-Apps: Aktiviere (hake an) unbedingt die Kern-Komponenten, die du brauchst. simplewall markiert Systemprozesse oft farblich. Sei vorsichtig beim Blockieren von
svchost.exe(Diensthost), da hieran viele Windows-Funktionen hängen. Tipp: Klicke auf den Namen, um zu sehen, welcher Dienst genau dahinter steckt. -
Browser & Tools: Hake deinen Browser, Mail-Client und Messenger an.
-
Filter aktivieren: Klicke jetzt auf „Filter aktivieren“ (Enable filtering).
-
Whitelist-Modus: Stelle sicher, dass der Modus „Whitelist (allow selected)“ gewählt ist.
-
Blocklisten: Gehe in die Einstellungen und aktiviere die Blocklisten für Telemetrie.
-
Autostart: Gehe in die Optionen und aktiviere „Load on system startup“ sowie „Start minimized“.

(simplewall Grundeinstellungen und Autostart Konfiguration)
FAQ: Häufige Fragen zu simplewall
Ist simplewall ein Virenscanner?
Nein. Es verhindert nur, dass Programme Daten senden oder empfangen. Es erkennt keine schädlichen Dateien auf deiner Festplatte. Ein Antivirenprogramm (oder der Windows Defender) ist weiterhin Pflicht.
Kann ich simplewall zusammen mit dem Windows Defender nutzen?
Ja, absolut! Das ist sogar die beste Kombination. Der Defender schützt vor Viren, simplewall kontrolliert das Netzwerk. simplewall ersetzt dabei die Steuerung der Windows Firewall, nicht den Defender selbst.
Was passiert, wenn ich simplewall deinstalliere?
Beim Deinstallieren (oder Deaktivieren der Filter) werden alle Regeln aus der Windows Filtering Platform gelöscht. Dein System verhält sich danach wieder so, als wäre simplewall nie da gewesen (Standard Windows Firewall Einstellungen).
Warum blockiert simplewall meinen Drucker?
Drucker im Netzwerk benötigen oft spezielle Freigaben (z.B. mDNS oder SMB). Wenn der Drucker nicht geht, schau in das Log (Rechtsklick auf das Tray-Icon -> Show Log) und prüfe, was blockiert wurde. Oft muss man „System“ oder „Spooler SubSystem App“ den Zugriff auf das lokale Netzwerk erlauben.
Fazit: Das Schweizer Taschenmesser für Netzwerk-Sicherheit
Nach unserem ausführlichen Test steht fest: simplewall ist eines der nützlichsten Tools für Windows-Nutzer, die Wert auf Privatsphäre legen. Es gibt dir die Kontrolle zurück, die Microsoft dir über die Jahre genommen hat.
Es ist nicht „Klicki-Bunti“, sondern funktional, brachial effizient und transparent. Die Tatsache, dass es Open Source ist, schafft zusätzliches Vertrauen. Wer einmal den Whitelist-Modus gemeistert und die Stille ohne Telemetrie genossen hat, wird schwer zur normalen Windows-Firewall zurückkehren wollen.
Pro:
-
Komplett kostenlos & Open Source.
-
Keine Performance-Einbußen.
-
Exzellente Blocklisten gegen Windows-Telemetrie.
-
Portable Version verfügbar.
-
Volle Kontrolle über WFP.
Contra:
-
Erfordert Einarbeitung.
-
Optisch sehr schlicht.
-
Kann bei falscher Konfiguration Internetzugriff komplett lahmlegen.
Unsere Wertung: ⭐⭐⭐⭐⭐ (5/5) für Fortgeschrittene, ⭐⭐⭐⭐ (4/5) für Einsteiger.
Herunterladen könnt Ihr es von der Hersteller Seite oder auch direkt von der Freeware-base.de, dort findet ihr auch den Link zu Hersteller Webseite:
https://www.freeware-base.de/freeware-zeige-details-31825-simplewall.html
Bilder selbst erstellt, Text teilweise KI generiert!
